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Recruiting im Gesundheitswesen und die Auswirkungen von Corona

Geschrieben Von
Brendan Bresnahan
Senior Content Producer

Während weltweit die Beschäftigten im Gesundheitswesen weiterhin tapfer den äußerst realen Gefahren begegnen, die mit der lebenswichtigen Versorgung in der Coronapandemie verknüpft sind, führen Führungskräfte und Talentverantwortliche ihren eigenen Kampf, um die Herausforderungen an einer anderen kritischen Gesundheitsfront anzugehen:

Sourcing- und Beschaffungsaktivitäten.

Zwar ist es zum gegenwärtigen Zeitpunkt im Jahr 2020 ziemlich offensichtlich, dass Corona die Art und Weise der Talentsuche und -verwaltung dramatisch verändert hat, aber das Gesundheitswesen ist als Branche in gewisser Hinsicht einzigartig: Auch wenn es durchweg zu den am schnellsten wachsenden Sektoren der Weltwirtschaft zählt (mit einem Anteil von sage und schreibe 12 Prozent der US-Arbeitskräfte), war es hier bekanntermaßen schon immer schwierig, Talente anzuziehen und zu halten. Angesichts der Tatsache, dass die Pandemie diese einzigartige Ambivalenz – die Gründe werden wir weiter unten erörtern – nur noch weiter verschärft hat, ist jetzt der beste Zeitpunkt, um Bilanz zu ziehen: Welche Veränderungen beobachten wir bei unserem treuen Kundenstamm von führenden medizinischen Organisationen?

Dieser Artikel gibt einen kurzen Überblick über die aktuellen Trends bei der Talentgewinnung im Gesundheitswesen.

Sehen wir uns das einmal an.

Recruiting-Aktivitäten werden virtuell

Der traditionelle Recruiting-Prozess im Gesundheitswesen ist dafür berüchtigt, ein mehrstufiger, zeitaufwändiger und recht altmodischer Prozess zu sein. Je nach Rolle sind Vorqualifikationen, Kompetenztests, verhaltensbasierte Szenarien und Prüfungen der Fertigkeiten im Labor oft nur die Spitze des Bewerbungseisbergs. Personenkontrollen, Screenings auf verschiedenen Ebenen (z. B. strafrechtlich, zivilrechtlich, auf Drogenmissbrauch bezogen usw.) sowie mehrere Interviewrunden verlangen oft, dass Kandidaten weite Strecken zurücklegen, damit sie der notwendigen physischen Anwesenheit nachkommen können. Durch die zunehmende soziale und berufliche Distanzierung infolge von Corona wurden die Organisationen des Gesundheitswesens jedoch gezwungen, ihre Einstellungsprozesse radikal anzupassen.

Von virtuellen Karrieremessen bis hin zu Video-Interviews – Organisationen des Gesundheitswesens (darunter viele unserer Kunden) bemühen sich, Recruiter mit den notwendigen Tools auszustatten, um in der aktuellen Situation effektiv Talente zu suchen, zu gewinnen und zu integrieren, und zwar in großem Maßstab. Viele TA-Abteilungen fürchten sich davor, die beispiellosen Pipeline-Engpässe der Monate April und Mai für Klinikärzte und medizinisches Pflegepersonal noch einmal zu erleben. Wir gehen davon aus, dass diese gegenwärtige Unsicherheit auch weiterhin eine branchenweite Hinwendung zu virtuellen Recruiting-Technologien und -prozessen begünstigen und in einigen Fällen sogar erzwingen wird (unserer Meinung nach ist das eine Win-Win-Situation sowohl für Kandidaten als auch für Recruiter).

Neue Gesetzgebung vereinfacht Einstellungsverfahren

Wie bereits erwähnt, gestaltet sich das traditionelle Recruiting im Gesundheitswesen in der Regel recht langwierig und anstrengend. Ein wesentlicher Grund für die schwerfällige Art der Sourcing-Aktivitäten ist die Tatsache, dass die Genehmigungen im Gesundheitswesen häufig länderspezifisch sind. Unter normalen Umständen kann zum Beispiel eine in Österreich zugelassene Krankenschwester nicht einfach die Grenze überqueren und nach Deutschland kommen, um dort eine neue Arbeitsstelle anzutreten, ohne zuvor das staatliche Zulassungs- und Genehmigungsverfahren zu absolvieren. Manche Länder überschneiden sich zwar oder haben gemeinsame Genehmigungskonventionen, doch die meisten bleiben bei ihren eigenen Einstellungsregeln, die den Arbeitskräftefluss über Ländergrenzen hinweg einschränken.

Gerade dieser allgemeine Mangel an Einheitlichkeit zwischen den Ländern trug in den ersten Tagen der Pandemie stark zu den fragmentierten und in einigen Fällen unzureichenden Reaktionsmaßnahmen bei, die wir auf der nationalen Ebene beobachten konnten. In Anbetracht der Notwendigkeit, die Einstellung von Spitzenmedizinern zu beschleunigen, haben viele Länder Gesetze erlassen, um Einstellungshürden abzubauen und – zumindest vorübergehend – die grenzüberschreitende Anwerbung und Eingliederung von medizinischen Fachkräften zu rationalisieren. Während sich die Welt auf eine mögliche zweite Coronawelle vorbereitet, erwarten wir weitere gesetzgeberische und politische Anstrengungen, die die Einstellung von Mitarbeitern im grenzüberschreitenden Gesundheitswesen beschleunigen.

Die Talentkluft vergrößert sich angesichts von Schwankungen bei Angebot und Nachfrage

Schon vor Corona stellte die Talentkluft im Gesundheitswesen die Fachleute in der Talentgewinnung vor ein zugleich irritierendes und schwer lösbares Rätsel. Jetzt, inmitten einer globalen Pandemie, haben sich die historisch hohe Fluktuation im Gesundheitswesen (insbesondere bei den Pflegepositionen) und der anhaltende Mangel an qualifizierten Primärversorgern (vor allem in ländlichen Regionen) nur noch verschärft. Mit dem Verlust von 1,4 Millionen Arbeitsplätzen im Gesundheitswesen im April (wiederum größtenteils bei Primärversorgern) sowie einem Rückgang der Einstellungsraten um 19,4 Prozent im Jahresvergleich hat die Branche in den USA insgesamt sicherlich bessere Tage gesehen.

Doch im krassen Gegensatz dazu boomt die Nachfrage nach Fachpersonal und Spitzenmedizinern. Von Fachärzten für Atemwegserkrankungen bis hin zu Intensivkrankenschwestern haben die Recruiting-Abteilungen Mühe, die Nachfrage zu befriedigen, insbesondere an Corona-Hotspots wie Los Angeles und New York. Dieser Anstieg der Nachfrage für Nischenpositionen, die bereits durch die Gefahr des Burnout belastet sind – ganz zu schweigen von einer älter werdenden Babyboomer-Belegschaft – hat zur Folge, dass die Organisationen des Gesundheitswesens überdenken müssen, wie sie Anreize schaffen und qualifizierte Kandidaten gewinnen können. In vielen Teilen des Landes sind bereits beträchtliche Lohnerhöhungen zu verzeichnen. Wir erwarten auch, dass erneut der Fokus auf das Wohlbefinden der Mitarbeiter gelegt wird, während die TA-Teams in diesen schwierigen Zeiten versuchen, die steigende Nachfrage nach spezialisierten Talenten zu befriedigen.

Ein neuer Fokus auf das Employer Branding

Seit einigen Jahren weisen wir auf die Notwendigkeit hin, dass Fachleute für die Talentgewinnung im Gesundheitswesen ihren Ansatz für die Kandidatenerfahrung neu bewerten und überdenken müssen. Von der Personalisierung über die Omnichannel-Kommunikation bis hin zu rationalisierten Bewerbungsprozessen – es ist es an der Zeit, dass im Gesundheitswesen jene Sourcing-Elemente vollständig integriert werden, die in vielen dynamischen Branchen bereits die Basis von Recruiting-Aktivitäten bilden. Ein wichtiger Bestandteil dieser unverzichtbaren Entwicklung der Kandidatenerfahrung werden die Botschaften und Schwerpunkte (d. h. die Markenbildung) der Organisationen sein, während sie sich weiter den besonderen Herausforderungen des Jahres 2020 stellen.

Wir können die Tatsache, dass Mediziner in der gegenwärtigen Zeit tapfer und mit einer wirklich bemerkenswerten Zielstrebigkeit risikoreiche Arbeiten erledigen, nicht als selbstverständlich hinnehmen. Die Akteure des Gesundheitswesens müssen deshalb die Werte ihrer Belegschaft mit einer einheitlichen und empathischen Botschaft widerspiegeln. Unsere neue Realität verlangt dabei von den Organisationen, dass sie sich präventiv mit den Fragen befassen, die für die Mitarbeiter/Kandidaten am wichtigsten sind – von der Qualität der Persönlichen Schutzausrüstung (PSA) bis hin zur Verfügbarkeit von Ressourcen für die psychische Gesundheit. Wir gehen stark davon aus, dass diejenigen Organisationen, die authentische und empathische Botschaften in den Vordergrund stellen, bessere Sourcing-Erfolge erzielen werden. Gleichzeitig wird die Anpassung der Branche an die neuen Recruiting-Normen der Pandemie weiter voranschreiten.

Fazit

Während die kommenden Monate voraussichtlich weiterhin neue und unerwartete Herausforderungen für die HR im Gesundheitswesen mit sich bringen werden, stellen sich unsere Kunden der Situation und begegnen den Widrigkeiten von Corona mit Zuversicht. Dabei gehen wir davon aus, dass unser erstklassiges Talentmanagementsystem zunehmend an Bedeutung gewinnen wird, wenn Unternehmen den Talentmangel mit robusten Programmen für die interne Mobilität und Marktplätzen für freie Mitarbeiter überwinden wollen. Wenn Sie gerne mehr erfahren möchten, kontaktieren Sie am besten noch heute unsere Experten.

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